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Gehörschaden beim Schießen

Ein einziger ungeschützter Schuss kann bleibende Schäden verursachen. Nicht nach Jahren, sondern in genau diesem Moment. Das passiert dabei, und das tun Sie dagegen.

Wie laut ist ein Schuss wirklich?

Eine 9-mm-Pistole liegt bei etwa 160 Dezibel, eine .22 bei rund 140, eine Jagdwaffe schnell über 150. Zum Vergleich: ein Presslufthammer in einem Meter Abstand erreicht etwa 100 Dezibel, ein startendes Flugzeug rund 120. Die Skala ist logarithmisch, jede zehn Dezibel bedeuten eine Verdopplung der empfundenen Lautstärke.

Die Schmerzgrenze liegt bei etwa 130 Dezibel. Alles darüber ist nicht nur unangenehm, es schädigt Gewebe. Ein Schuss ist zudem Impulslärm: er erreicht in unter einer Millisekunde volle Stärke, viel zu schnell für den schützenden Muskelreflex im Mittelohr.

Was im Ohr kaputtgeht

In Ihrer Hörschnecke sitzen Reihen von Haarzellen, die Schall in Nervensignale umwandeln. Eine Druckwelle von 160 Dezibel knickt diese Härchen mechanisch ab. Sie wachsen nicht nach. Was weg ist, bleibt weg, und keine Operation und kein Medikament stellt das wieder her.

Das Perfide: zunächst merken Sie kaum etwas. Die ersten Zellen, die ausfallen, sitzen im hohen Frequenzbereich um 4000 Hertz. Dort steckt wenig Sprache, Gespräche scheinen also weiterhin zu funktionieren. Erst wenn der Schaden in tiefere Frequenzen wandert, merken Sie, dass Sie in einer vollen Kneipe niemanden mehr verstehen, und dann sind Jahre vergangen.

Tinnitus ist das Warnsignal

Das Pfeifen nach einer Schießsitzung ist keine harmlose Begleiterscheinung. Es ist das Geräusch beschädigter Zellen. Verschwindet es nach einigen Stunden, hatten Sie Glück mit einem vorübergehenden Schaden. Bleibt es, ist es oft dauerhaft, und Tinnitus raubt Menschen buchstäblich den Schlaf.

Für Tinnitus gibt es keine Heilung. Die einzige Behandlung ist, mit einem Pfeifen zu leben, das nie aufhört. Deshalb schießen erfahrene Schützen nie, wirklich nie, eine einzige Serie ohne Schutz.

Wie viel Dämpfung brauchen Sie?

Eine Kapsel mit NRR 22 dB bringt einen Schuss von 160 Dezibel in der Praxis auf etwa 145 herunter. Das klingt immer noch hoch, und das ist es auch: unter 140 zu bleiben ist das Ziel. Für die meisten Kaliber im Freien reicht eine Schicht daher knapp, auf einem Schießstand in geschlossenen Räumen oder bei schweren Kalibern nicht.

Hier kommt der Doppelschutz ins Spiel: Stöpsel im Ohr und die Kapsel darüber. Die Werte addieren sich nicht sauber, aber Sie gewinnen meist fünf bis zehn Dezibel gegenüber einer Schicht. In geschlossenen Ständen ist das der Unterschied zwischen sicher und knapp daneben.

Warum aktiv besser schützt als passiv

Das klingt widersprüchlich, denn eine passive Kapsel dämpft dauerhaft und eine aktive lässt Schall durch. Dennoch ist die aktive Kapsel in der Praxis sicherer, und der Grund ist menschliches Verhalten: mit einer passiven Kapsel heben Sie sie an, sobald jemand mit Ihnen spricht. Genau dann fällt ein Schuss.

Mit einer aktiven Kapsel müssen Sie sie nie absetzen, weil Sie Gespräche verstärkt hören. Der Schutz, den Sie tatsächlich tragen, schlägt immer den Schutz, der auf dem Papier mehr dämpft, aber am Hals hängt.

Faustregel: Hören Sie danach ein Pfeifen, war Ihr Schutz an diesem Tag nicht ausreichend. Nicht beim nächsten Mal besser aufpassen, sondern sofort eine Schicht ergänzen.

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